Dalai-Lama-Hilfswerk: der "hartensteynreport" hilft!
Bis zum 31. Dezember 2007 ...
stellt der hartensteynreport den Webspace, den er für eigene redaktionelle Texte und Beiträge nützen könnte, dem Dalai-Lama-Hilfswerk zur Verfügung. Warum?
Die Armut in Österreich steigt.
Caritas, Neunerhaus, "Licht ins Dunkel", Gemeinde Wien und "Wiener Wohnen" sind in in Wahrheit völlig überfordert. Längst gilt nicht mehr das lustige Bild vom "herkömmlichen" Sandler mitsamt seiner "Clochard - Romantik" (Jens Tschebull). Denn die Neue Armut erfasst immer breitere Bevölkerungskreise. Alleinerziehende Mütter, bisher unbescholten und weder alkoholkrank noch drogensüchtig, werden reihum delogiert und landen auf der Straße. Leerstehende Gemeindewohnungen kriegen sie natürlich nicht, denn die so genannte "Wohnungskommission", immer noch unter dem veralteten Namen "Soziale Wohnungsvergabe" tätig (MA 50) in der Wiener Graumanngasse 7 im 15. Wiener Gemeindebezirk muss immer mehr "abblocken". "Gemeindewohnungen" gibt es - ein unrichtiges Vorurteil in der Bevölkerung - nur für Roma, Sinti, Drogenkranke oder Haftentlassene, so falsche Gerüchte, diese "Randgruppen" hingegen behaupten, nur Österreicher mit "viel Kohle" und besten Rathaus - Kontakten bekämen eine günstige Wohnung: divide et impera, richtig ist bestenfalls: ein interner "Geheimerlass" des Rathauses besagt, dass "Wiener Wohnen" nur noch Gemeindewohnungen an zahlungskräftige Kunden mit Bonität und Vormerkschein übergeben darf. Einer im siebten Monat schwangeren Frau, die nur deshalb in ihrer Wohnung im 16. Wiener Gemeindebezirk Mietzinsrückstände angehäuft hat, weil sie als geringfügig Beschäftigte ihre Medikamente und den Strom nicht mehr zahlen konnte, wurde von "Wiener Wohnen" mitgeteilt, sie möge es bitte nur kurz im Winter in der Obdachlosigkeit aushalten, falls auch das Frauenhaus abblocke, ausharren, bis das Kind geboren werde, denn dann könne man ihr es, das Kind, ggf. sowieso wegnehmen, zu Pflegeeltern geben und sie könne ohne Kind gerne rascher in ein Frauenhaus kommen, denn Gemeindewohnungen könnten als Sozialwohnungen derzeit nicht mehr "hergegeben" werden (O-Ton Referentin Graumanngasse, Unterschift Dr. Brachtel), "Sie sind kein Notfall".
Hier soll keineswegs eine unqualifizierte Hetze gegen die "Wohnungskommission" oder "Wiener Wohnen" stattfinden und schon gar nicht gegen die Menschen, die dort engagiert und mühsam genug ihre Arbeit machen.
Denn allzusehr wurde das System bereits von "Sozialschmarotzern", Mietnomaden und Sozialhilfe - Abkassierprofis missbraucht: "Es ist sehr schwer geworden, die Spreu vom Weizen zu trennen", so eine Referentin der "Graumanngasse" im Vieraugengespräch mit dem hartensteynreport ("Nennen Sie bitte bloß nicht meinen Namen, sonst bekomme ich Schwierigkeiten").
Gerade bisherige "Nicht - Sozialfälle" wie unser berühmtes Beispiel Angelika M. (Name von der Redaktion geändert) kennen sich viel zu wenig aus und fallen viel eher "durch den Rost" als "Sozialhilfe - Profis" oder die von offenbar ausländerfeindlichen Mitbürgern immer wieder aufs Tapet gebrachten "Profizigeuner", die den Mercedes ums Eck parken, während die arme, kinderreiche Mutter drei Etagen höher in der "Graumanngasse" ihre billige Sozialwohnung bekommt. Angelika M. wusste nicht einmal, dass sie Mietzinsbeihilfe bekommen hätte, da sie am Sozialamt Mexikoplatz an eine besonders "harte" und zweifellos auch chronisch überlastete Referentin geraten war: "Ich habe mir viele Medikamenten um teures Geld selber kaufen müssen, weil mir nie gesagt wurde, dass ich über die MA 15 versichert und sogar von der Rezeptgebühr befreit bin."

"Ablehnungsbescheid" der Wohnungskommission Graumanngasse für Angelika M.: die bisher unbescholtene Ex - Kellnerin, die sich selbst am Computer sehr viel beigebracht hat, die aber als Schwangere keine Arbeit findet, fällt als klassischer "Nicht - Sozialamtsprofi" offenbar durch den Rost des Systems. Selbst eine Intervention des sympathischen SP - Bezirksvorsteherstellvertreters Ferdinand Glatzl war nicht von Erfolg gekrönt: die - nicht zuletzt - durch Profi - Sozialschmarotzer völlig überlastete "Wohnungskommission Graumanngasse" musste hart bleiben.
Die eigene Wohnungstür hinter sich zumachen können, in der eigenen Küche herumpatzen, im eigenen Badezimmer pritscheln - selbstverständlich, wie die anderen auch: Für Manuela U. war das eine Zeit lang nichts Selbstverständliches. Eine Zeit, in der die 38-Jährige erlebt hat, was es heißt, arm zu sein, allein gelassen mit zwei Kindern und einem Haufen Schulden auf der Straße zu stehen. "Ich habe mich bemüht, mich nicht fallen zu lassen", erzählt die Frau heute. Ünlü wollte nicht als bemitleidenswerter Sozialfall betrachtet werden - nach außen war sie einfach eine allein erziehende Mutter von vielen, eine Frau, die eben jeden Cent umdrehen musste. Dass sie mit ihren beiden Kindern vier Jahre in der städtischen Familienherberge in der Kastanienallee gelebt hat, wussten nicht viele. Außer die Arbeitgeber, die sie gleich nach Hause geschickt haben, wenn sie zum Vorstellungsgespräch mit der Adresse "Kastanienallee" gekommen ist.
Dort ist Manuela U. nach der Delogierung aus ihrer Gemeindewohnung gelandet - die hat sie verloren, weil der Exfreund die Miete einfach lange Zeit nicht gezahlt hat. Davon hat sie nichts gemerkt, bis es zu spät war. "Ich war arbeiten, habe unser Leben finanziert, er hat das Geld für die Miete anderweitig ausgegeben." Der falsche Mann, Jobs in der Fabrik, Krankheit, Schulden, Delogierung. "Als ich mit meinen Töchtern ins Heim gezogen bin, hatte ich schon das Gefühl, versagt zu haben", sagt Ünlü. Armut ist peinlich, Armsein in der Leistungsgesellschaft ein Stigma - das musste auch die kleine Tochter erfahren, als sie anfangs in der Schule wegen ihrer Adresse gehänselt wurde. Mittlerweile schämt sich die Neunjährige für ihr zu Hause nicht mehr: Seit einem Jahr wohnt die kleine Familie in einer Übergangswohnung des Hilfswerks für Frauen und Familien. Im Rahmen des "Bürger in Not"-Projekts betreibt der Verein vierzig solcher quer über Wien verstreuten Wohnungen, in Meidling leben ehemals obdachlose Pensionisten in einem eigenen Hilfswerk-Wohnhaus. Auch Manuela U. hat jetzt eine ganz normale Wohnung in einem ganz normalen Haus. Hier bereitet sich die Alleinerzieherin auf ein Leben ohne versteckte Armut vor. Sie hat einen neuen Job als Heimhilfe, eine Sozialarbeiterin des Hilfswerk berät sie bei Alltagsproblemen und beim Schuldenabzahlen - die Bedingung dafür, dass Frau U. im nächsten Jahr wieder in eine Gemeindewohnung einziehen kann: als Ende ihrer Odysee. "Früher hätte ich mir nie gedacht, dass mir so ein sozialer Abstieg passieren könnte."
Immer mehr Durchschnittsbürgern geht es ähnlich: Sie landen in der Armutsfalle.
Die Preise steigen, die Löhne fallen: vom vermeintlichen Wirtschaftswachstum profitieren nur gut ausgebildete und sozial integrierte Fachkräfte; seit fast 15 Jahren stagnieren in Österreich die Realeinkommen der "Verlierer des Europas der Banken und Konzerne", d.s. Arbeiter, kleine Angestellte, Kleingewerbetreibende, Arbeitslose, Durchschnittspensionisten und Sozialhilfeempfänger. Diese Verlierer der EU - Osterweiterung, der Globalisierung und der postindustriellen Ellenbogengesellschaft werden in wenigen Jahren das Heer obdachloser und halbverhungerter "Penner" auf den Straßen Wiens bilden, raunen Experten und Sozialhelfer hinter vorgehaltener Hand, während Bürgermeister und "Wohnungskommission Graumanngasse" von - angeblich immer noch existenten - Sozialwohnungen für Arme sprechen, medienwirksam, obwohl sie wissen, dass es keine für sie mehr gibt.
Eine Million Österreicher sind armutsgefährdet, 300.000 leben in akuter Armut. Was heißt es aber, in einem der wohlhabendsten Länder der Welt arm zu sein? "Armutsgefährdet ist jemand, der weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. In Österreich sind das weniger als 730 Euro", erklärt Karin Heitzmann, Armutsforscherin an der Wirtschaftsuniversität Wien. Akut arm ist jemand, der nicht nur weniger als 730 Euro zur Verfügung hat, sondern auch noch mit zusätzlichen Problemen wie Schulden, einer miesen Substandardwohnung oder sozialer Vereinsamung kämpft. Probleme, die Hilfsorganisationen wie die Caritas auch in der Zeit vor Weihnachten wieder trommeln: Mit Pressekonferenzen und Spendenaktionen, manchmal sogar mit "Touren der Armut" zu den verschiedenen Sozialeinrichtungen der Stadt. Und viele spenden dann für die offensichtlich armen Obdachlosen, die man auf der Straße sieht. Nur die immer zahlreicheren Armen, die ein nach außen normales Leben führen, sehen sie nicht.
Dabei sind es gerade diese verschiedenen versteckten Gesichter der Armut, mit denen sich Sozialwissenschaftler künftig noch intensiver beschäftigen werden, meint WU-Forscherin Heitzmann. "Diese neue Armut im Sozialstaat wird immer mehr zum Thema." Vor allem Frauen haben ein 35 Prozent höheres Risiko, zu verarmen. Alleinerzieherinnen mit schlecht bezahlten Jobs gelten bei den Armutsforschern schon als klassische Fälle von verborgener Armut. Genauso wie die Mindestpensionistin, die im Winter in ihrer Wohnung frieren muss, weil das Geld fürs Heizen fehlt. Wie die Arbeiterfamilie mit ein paar Kindern und einem kleinen Einkommen. Oder die Ausländerfamilie, die zusammengepfercht in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Substandardwohnung lebt. Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und ein Staat, der noch keine neuen Strategien zur Armutsbekämpfung parat hat: Deshalb übernehmen vor allem kirchliche und private NGO's den Kampf gegen die Armut. Eines der größten Probleme dabei: Die Armutsgefährdeten tun alles, um den Schein einer normalen bürgerlichen Existenz zu wahren. Hilfsangebote kommen deshalb oft zu spät - erst dann, wenn die Existenz offensichtlich zertrümmert ist. "Viele Menschen wenden sich erst an uns, wenn sie schon alles verloren haben", erklärt Sylvia Hofman, Leiterin von "Bürger in Not." "Die Betroffenen wenden ihre ganze Energie auf, damit niemand merkt, dass sie arm sind", sagt Karin Heitzmann. "Denn in der Leistungsgesellschaft heißt Armut Versagen und Nicht-mithalten-Können."

In dieser Zeit gibt es exakt zwei Gruppen von Menschen: Menschen mit Gewissen und Menschen ohne Gewissen.
Wir bitten Sie nicht um Geld. Wir bitten Sie um Ihre Aufmerksamkeit: verfolgen Sie bis 31. Dezember 2007 unsere (hofffentlich fast täglich aktualisierte) Berichterstattung über die Arbeit des Dalai - Lama - Hilfswerks im hartensteynreport.
Wann und wie auch Sie helfen können, erfahren Sie im hartensteynreport und in anderen Blogs.
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Die Armut in Österreich steigt.
Caritas, Neunerhaus, "Licht ins Dunkel", Gemeinde Wien und "Wiener Wohnen" sind in in Wahrheit völlig überfordert. Längst gilt nicht mehr das lustige Bild vom "herkömmlichen" Sandler mitsamt seiner "Clochard - Romantik" (Jens Tschebull). Denn die Neue Armut erfasst immer breitere Bevölkerungskreise. Alleinerziehende Mütter, bisher unbescholten und weder alkoholkrank noch drogensüchtig, werden reihum delogiert und landen auf der Straße. Leerstehende Gemeindewohnungen kriegen sie natürlich nicht, denn die so genannte "Wohnungskommission", immer noch unter dem veralteten Namen "Soziale Wohnungsvergabe" tätig (MA 50) in der Wiener Graumanngasse 7 im 15. Wiener Gemeindebezirk muss immer mehr "abblocken". "Gemeindewohnungen" gibt es - ein unrichtiges Vorurteil in der Bevölkerung - nur für Roma, Sinti, Drogenkranke oder Haftentlassene, so falsche Gerüchte, diese "Randgruppen" hingegen behaupten, nur Österreicher mit "viel Kohle" und besten Rathaus - Kontakten bekämen eine günstige Wohnung: divide et impera, richtig ist bestenfalls: ein interner "Geheimerlass" des Rathauses besagt, dass "Wiener Wohnen" nur noch Gemeindewohnungen an zahlungskräftige Kunden mit Bonität und Vormerkschein übergeben darf. Einer im siebten Monat schwangeren Frau, die nur deshalb in ihrer Wohnung im 16. Wiener Gemeindebezirk Mietzinsrückstände angehäuft hat, weil sie als geringfügig Beschäftigte ihre Medikamente und den Strom nicht mehr zahlen konnte, wurde von "Wiener Wohnen" mitgeteilt, sie möge es bitte nur kurz im Winter in der Obdachlosigkeit aushalten, falls auch das Frauenhaus abblocke, ausharren, bis das Kind geboren werde, denn dann könne man ihr es, das Kind, ggf. sowieso wegnehmen, zu Pflegeeltern geben und sie könne ohne Kind gerne rascher in ein Frauenhaus kommen, denn Gemeindewohnungen könnten als Sozialwohnungen derzeit nicht mehr "hergegeben" werden (O-Ton Referentin Graumanngasse, Unterschift Dr. Brachtel), "Sie sind kein Notfall".
Hier soll keineswegs eine unqualifizierte Hetze gegen die "Wohnungskommission" oder "Wiener Wohnen" stattfinden und schon gar nicht gegen die Menschen, die dort engagiert und mühsam genug ihre Arbeit machen.
Denn allzusehr wurde das System bereits von "Sozialschmarotzern", Mietnomaden und Sozialhilfe - Abkassierprofis missbraucht: "Es ist sehr schwer geworden, die Spreu vom Weizen zu trennen", so eine Referentin der "Graumanngasse" im Vieraugengespräch mit dem hartensteynreport ("Nennen Sie bitte bloß nicht meinen Namen, sonst bekomme ich Schwierigkeiten").
Gerade bisherige "Nicht - Sozialfälle" wie unser berühmtes Beispiel Angelika M. (Name von der Redaktion geändert) kennen sich viel zu wenig aus und fallen viel eher "durch den Rost" als "Sozialhilfe - Profis" oder die von offenbar ausländerfeindlichen Mitbürgern immer wieder aufs Tapet gebrachten "Profizigeuner", die den Mercedes ums Eck parken, während die arme, kinderreiche Mutter drei Etagen höher in der "Graumanngasse" ihre billige Sozialwohnung bekommt. Angelika M. wusste nicht einmal, dass sie Mietzinsbeihilfe bekommen hätte, da sie am Sozialamt Mexikoplatz an eine besonders "harte" und zweifellos auch chronisch überlastete Referentin geraten war: "Ich habe mir viele Medikamenten um teures Geld selber kaufen müssen, weil mir nie gesagt wurde, dass ich über die MA 15 versichert und sogar von der Rezeptgebühr befreit bin."

"Ablehnungsbescheid" der Wohnungskommission Graumanngasse für Angelika M.: die bisher unbescholtene Ex - Kellnerin, die sich selbst am Computer sehr viel beigebracht hat, die aber als Schwangere keine Arbeit findet, fällt als klassischer "Nicht - Sozialamtsprofi" offenbar durch den Rost des Systems. Selbst eine Intervention des sympathischen SP - Bezirksvorsteherstellvertreters Ferdinand Glatzl war nicht von Erfolg gekrönt: die - nicht zuletzt - durch Profi - Sozialschmarotzer völlig überlastete "Wohnungskommission Graumanngasse" musste hart bleiben.
Die eigene Wohnungstür hinter sich zumachen können, in der eigenen Küche herumpatzen, im eigenen Badezimmer pritscheln - selbstverständlich, wie die anderen auch: Für Manuela U. war das eine Zeit lang nichts Selbstverständliches. Eine Zeit, in der die 38-Jährige erlebt hat, was es heißt, arm zu sein, allein gelassen mit zwei Kindern und einem Haufen Schulden auf der Straße zu stehen. "Ich habe mich bemüht, mich nicht fallen zu lassen", erzählt die Frau heute. Ünlü wollte nicht als bemitleidenswerter Sozialfall betrachtet werden - nach außen war sie einfach eine allein erziehende Mutter von vielen, eine Frau, die eben jeden Cent umdrehen musste. Dass sie mit ihren beiden Kindern vier Jahre in der städtischen Familienherberge in der Kastanienallee gelebt hat, wussten nicht viele. Außer die Arbeitgeber, die sie gleich nach Hause geschickt haben, wenn sie zum Vorstellungsgespräch mit der Adresse "Kastanienallee" gekommen ist.
Dort ist Manuela U. nach der Delogierung aus ihrer Gemeindewohnung gelandet - die hat sie verloren, weil der Exfreund die Miete einfach lange Zeit nicht gezahlt hat. Davon hat sie nichts gemerkt, bis es zu spät war. "Ich war arbeiten, habe unser Leben finanziert, er hat das Geld für die Miete anderweitig ausgegeben." Der falsche Mann, Jobs in der Fabrik, Krankheit, Schulden, Delogierung. "Als ich mit meinen Töchtern ins Heim gezogen bin, hatte ich schon das Gefühl, versagt zu haben", sagt Ünlü. Armut ist peinlich, Armsein in der Leistungsgesellschaft ein Stigma - das musste auch die kleine Tochter erfahren, als sie anfangs in der Schule wegen ihrer Adresse gehänselt wurde. Mittlerweile schämt sich die Neunjährige für ihr zu Hause nicht mehr: Seit einem Jahr wohnt die kleine Familie in einer Übergangswohnung des Hilfswerks für Frauen und Familien. Im Rahmen des "Bürger in Not"-Projekts betreibt der Verein vierzig solcher quer über Wien verstreuten Wohnungen, in Meidling leben ehemals obdachlose Pensionisten in einem eigenen Hilfswerk-Wohnhaus. Auch Manuela U. hat jetzt eine ganz normale Wohnung in einem ganz normalen Haus. Hier bereitet sich die Alleinerzieherin auf ein Leben ohne versteckte Armut vor. Sie hat einen neuen Job als Heimhilfe, eine Sozialarbeiterin des Hilfswerk berät sie bei Alltagsproblemen und beim Schuldenabzahlen - die Bedingung dafür, dass Frau U. im nächsten Jahr wieder in eine Gemeindewohnung einziehen kann: als Ende ihrer Odysee. "Früher hätte ich mir nie gedacht, dass mir so ein sozialer Abstieg passieren könnte."
Immer mehr Durchschnittsbürgern geht es ähnlich: Sie landen in der Armutsfalle.
Die Preise steigen, die Löhne fallen: vom vermeintlichen Wirtschaftswachstum profitieren nur gut ausgebildete und sozial integrierte Fachkräfte; seit fast 15 Jahren stagnieren in Österreich die Realeinkommen der "Verlierer des Europas der Banken und Konzerne", d.s. Arbeiter, kleine Angestellte, Kleingewerbetreibende, Arbeitslose, Durchschnittspensionisten und Sozialhilfeempfänger. Diese Verlierer der EU - Osterweiterung, der Globalisierung und der postindustriellen Ellenbogengesellschaft werden in wenigen Jahren das Heer obdachloser und halbverhungerter "Penner" auf den Straßen Wiens bilden, raunen Experten und Sozialhelfer hinter vorgehaltener Hand, während Bürgermeister und "Wohnungskommission Graumanngasse" von - angeblich immer noch existenten - Sozialwohnungen für Arme sprechen, medienwirksam, obwohl sie wissen, dass es keine für sie mehr gibt.
Eine Million Österreicher sind armutsgefährdet, 300.000 leben in akuter Armut. Was heißt es aber, in einem der wohlhabendsten Länder der Welt arm zu sein? "Armutsgefährdet ist jemand, der weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. In Österreich sind das weniger als 730 Euro", erklärt Karin Heitzmann, Armutsforscherin an der Wirtschaftsuniversität Wien. Akut arm ist jemand, der nicht nur weniger als 730 Euro zur Verfügung hat, sondern auch noch mit zusätzlichen Problemen wie Schulden, einer miesen Substandardwohnung oder sozialer Vereinsamung kämpft. Probleme, die Hilfsorganisationen wie die Caritas auch in der Zeit vor Weihnachten wieder trommeln: Mit Pressekonferenzen und Spendenaktionen, manchmal sogar mit "Touren der Armut" zu den verschiedenen Sozialeinrichtungen der Stadt. Und viele spenden dann für die offensichtlich armen Obdachlosen, die man auf der Straße sieht. Nur die immer zahlreicheren Armen, die ein nach außen normales Leben führen, sehen sie nicht.
Dabei sind es gerade diese verschiedenen versteckten Gesichter der Armut, mit denen sich Sozialwissenschaftler künftig noch intensiver beschäftigen werden, meint WU-Forscherin Heitzmann. "Diese neue Armut im Sozialstaat wird immer mehr zum Thema." Vor allem Frauen haben ein 35 Prozent höheres Risiko, zu verarmen. Alleinerzieherinnen mit schlecht bezahlten Jobs gelten bei den Armutsforschern schon als klassische Fälle von verborgener Armut. Genauso wie die Mindestpensionistin, die im Winter in ihrer Wohnung frieren muss, weil das Geld fürs Heizen fehlt. Wie die Arbeiterfamilie mit ein paar Kindern und einem kleinen Einkommen. Oder die Ausländerfamilie, die zusammengepfercht in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Substandardwohnung lebt. Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und ein Staat, der noch keine neuen Strategien zur Armutsbekämpfung parat hat: Deshalb übernehmen vor allem kirchliche und private NGO's den Kampf gegen die Armut. Eines der größten Probleme dabei: Die Armutsgefährdeten tun alles, um den Schein einer normalen bürgerlichen Existenz zu wahren. Hilfsangebote kommen deshalb oft zu spät - erst dann, wenn die Existenz offensichtlich zertrümmert ist. "Viele Menschen wenden sich erst an uns, wenn sie schon alles verloren haben", erklärt Sylvia Hofman, Leiterin von "Bürger in Not." "Die Betroffenen wenden ihre ganze Energie auf, damit niemand merkt, dass sie arm sind", sagt Karin Heitzmann. "Denn in der Leistungsgesellschaft heißt Armut Versagen und Nicht-mithalten-Können."

In dieser Zeit gibt es exakt zwei Gruppen von Menschen: Menschen mit Gewissen und Menschen ohne Gewissen.
Wir bitten Sie nicht um Geld. Wir bitten Sie um Ihre Aufmerksamkeit: verfolgen Sie bis 31. Dezember 2007 unsere (hofffentlich fast täglich aktualisierte) Berichterstattung über die Arbeit des Dalai - Lama - Hilfswerks im hartensteynreport.
Wann und wie auch Sie helfen können, erfahren Sie im hartensteynreport und in anderen Blogs.
hartensteynreport - 31. Okt, 18:32
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